Was ist FI-Schutzschalter (RCD)?
Ein FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, international RCD für Residual Current Device) ist ein Schutzschaltgerät im Sicherungskasten. Er misst kontinuierlich die Stromdifferenz zwischen Phasen- und Neutralleiter. Weicht der Strom um mehr als den Auslösestrom (meist 30 mA) ab, trennt er den Stromkreis innerhalb von 0,3 Sekunden ab, um lebensgefährliche Stromschläge und Brände zu verhindern.
⚡ Wichtigste Punkte auf einen Blick
- Schützt Menschen vor tödlichen Stromunfällen bei direktem oder indirektem Berühren defekter Geräte.
- Nach NIN 2020 / 2025 in der Schweiz für alle frei zugänglichen Steckdosen bis 32 A obligatorisch.
- Typ A ist Standard im Wohnbau; Typ B ist zwingend für Wallboxen (E-Mobilität) und PV-Wechselrichter mit Gleichstrom-Fehlerströmen.
- Ein FI ersetzt keine normale Schmelzsicherung oder Leitungsschutzschalter, sondern ergänzt sie.
Funktionsprinzip: Warum der Summenstromwandler Leben rettet
Im fehlerfreien Zustand fliesst genau so viel Strom durch den Aussenleiter in das Gerät hinein, wie über den Neutralleiter zurückfliesst. Die Summe der magnetischen Wechselfelder im Ringkern ist null. Berührt ein Mensch ein schadhaftes Kabel, fliesst ein Teil des Stroms über den Körper in die Erde ab. Es entsteht eine Differenz (Fehlerstrom). Der Summenstromwandler induziert sofort eine Spannung, die das Schaltschloss entriegelt und den Stromkreis in wenigen Millisekunden unterbricht.
Vorschriften in der Schweiz: Nachrüstung im Altbau
In Schweizer Neubauten und bei wesentlichen Umbauten sind 30-mA-FI-Schalter für alle Steckdosenstromkreise gesetzliche Pflicht nach NIN. In Altbauten mit klassischer Nullung (Schema III) besteht kein genereller Zwang zum sofortigen Austausch, solange keine Änderungen vorgenommen werden. Sobald jedoch das Tableau saniert oder Steckdosen in Küche und Bad versetzt werden, greift die Nachrüstpflicht auf den aktuellen Stand der Technik.
⚠️ Was Eigentümer oft falsch verstehen
Viele Hausbesitzer verwechseln Leitungsschutzschalter (Sicherungen) mit dem FI-Schalter. Ein Leitungsschutzschalter (LS) schützt lediglich die Leitung vor Überlastung und Kurzschluss (Kabelbrand). Er schützt nicht den Menschen: Ein Stromschlag von 100 mA kann tödlich sein, lässt einen 16-A-Leitungsschutzschalter aber völlig unberührt. Nur der 30-mA-FI schützt den Menschen.
FI Typ A vs. FI Typ B im Vergleich
| Kriterium | FI Typ A (Pulsstromsensitiv) | FI Typ B (Allstromsensitiv) |
|---|---|---|
| Erfassbare Ströme | Wechselströme & pulsierende Gleichströme | Zusätzlich glatte Gleichfehlerströme (DC) |
| Typischer Einsatz | Wohnungsbau, Haushaltsgeräte, Licht | Wallbox / E-Auto-Ladestationen, Frequenzumformer, PV |
| Gefahr bei Fehlauswahl | Erblindung bei glatten DC-Fehlerströmen | Keine, bietet vollumfänglichen Schutz |
| Anschaffungskosten | Günstig (Standardkomponente ab ca. CHF 50) | Deutlich höher (ab ca. CHF 250 bis 500) |
| Schweizer Normvorgabe | Standard nach NIN für normale Steckdosen | Vorgeschrieben bei Ladeinfrastruktur ohne DC-Erkennung |
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss ich die Testtaste am FI-Schalter drücken?
Fachverbände und das ESTI empfehlen, die mechanische Prüftaste ('T') mindestens ein- bis zweimal pro Jahr zu betätigen. Dadurch wird die empfindliche Mechanik des Schaltschlosses vor dem Festsetzen geschützt.
Warum löst mein FI-Schalter plötzlich ohne ersichtlichen Grund aus?
Häufige Ursachen sind defekte Heizelemente (Kaffeemaschine, Boiler, Geschirrspüler), eingedrungene Feuchtigkeit in Aussensteckdosen oder Leuchten sowie die Summe kleiner, normaler Ableitströme vieler elektronischer Schaltnetzteile an einem einzigen Schalter.
Darf ich einen FI-Schalter im Tableau selbst einbauen?
Nein. Arbeiten im Sicherungskasten und an Unterverteilern dürfen nach Art. 16 NIV ausschliesslich von Fachleuten mit eidgenössischer Installationsbewilligung ausgeführt werden. Für Laien besteht Lebensgefahr.
Was bedeutet die Angabe '30 mA' auf dem Gehäuse?
30 Milliampere ist der maximale Bemessungsfehlerstrom. Ab diesem Schwellenwert löst der Schutzschalter garantiert aus. Ströme unter 30 mA gelten bei gesunden Erwachsenen für kurze Zeitspannen als nicht unmittelbar herzkammerflimmernd.
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